Fallbeispiele Neurologie
Forced use Intensivtherapie 6 Stunden / 10 Tage
Die Patientin, deren Schlaganfall 10 Jahre zurücklag, kam zur Vorstellung in unser Zentrum. Der Eingangsbefund zeigte nur motorische Fähigkeiten im Schultergürtel des betroffenen Armes, verbunden mit erheblichen Hypertonus. Ellenbogen, Hand und Finger waren in Flexionsstellung. Aktive Ellenbogenstreckung mit Heben des Armes, Greiffunktion der Finger und Anpassung der Hand waren nicht möglich. Ihr Gangbild zeigte wenig Belastung auf ihrem betroffenen Bein mit erheblicher Rotation der Hüfte und Knieüberstreckung. Nach 10 Tagen war die Patientin in der Lage ihren Arm auf über 90 Grad zu heben, ( mit vollständiger Ellenbogenstreckung ) Objekte in Pronation zu greifen und auf verschiedenen Ebenen und Höhe wieder loszulassen. Im Bereich der unteren Extremität erfolgte eine Orthesenversorgung. Ihr Gangbild zeigte nach 10 Tagen eine erhebliche Verbesserung in Annahme der Unterstützungsfläche und physiologischer Belastungssequenzen.
Ambulant auf Verordnung
Der Patient kam im Mai 2010 in unser Zentrum in die Forced use Therapie. Der Patient kam über eine Ergotherapieverordnung 2 x wöchentlich a 45 min und eine Physiotherapieverordnung 2 x wöchentlich a 30 min.
Die Diagnose lautet Apoplex (Schlaganfall) Hemiparese rechts. Ein großes Problem waren die Schmerzen des Patienten, die durch die starken Kontrakturen (orthopädisch und muskulären Steifigkeiten) bedingt waren.
Durch den siebenmonatigen Krankenhausaufenthalt und begleitet von mangelnder, spezifischer Lagerung, mit resultierender Spitzfußstellung, wurde die Genesung des Patienten weiterhin verzögert. Er war zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage selbstständig zu laufen und andere alltägliche Tätigkeiten zu verrichten. Er benötigte ständige Unterstützung durch Hilfspersonen. Durch die genannten Umstände fiel der Patient in depressive Episoden, welche wiederum zu sozialer Isolation und Desinteresse seiner Umwelt gegenüber führten.
Zu Beginn der Behandlung bestand das Ziel in der Schmerzminderung und der Mobilisation der Kontrakturen in oberer sowie unterer Extremität. Durch die lange Liegephase war es nötig eine Kreislaufstabilisierung zu erreichen, da er bereits im hohen Sitz Synkopen (Schwindelgefühle) entwickelte. Wichtiger Behandlungsinhalt war es ebenfalls dem Patienten die Angst zu nehmen und das Vertrauen in die betroffene Körperseite wieder aufzubauen. Vom hohen Sitz ging es dann über in die nächste Behandlungsebene - Anbahnung von freiem Stand und Aktivierung der betroffenen Körperhälfte durch bilaterales Stützen. Im weiteren Verlauf der Behandlung gelang die "Ausschaltung" der nicht betroffenen Seite, um Kompensationsstrategien zu vermeiden und die Stützfunktionen auf der betroffenen Seite zu verbessern.
Im Juni 2010 konnte der Patient sich sicher mit einer Gehhilfe fortbewegen. Auch die Hilfsbedürftigkeit bei alltäglichen Tätigkeiten hat wesentlich abgenommen und auch die Teilnahme am sozialen Leben und seiner Umwelt hat deutlich zugenommen.